Der neue Zoo von Dubai - oder das Warten auf Godot
von Myriam AlexowitzDer Zoo von Dubai platzt aus allen Nähten, doch der Bau des geplanten neuen Zoos in Dubailand lässt auf sich warten. Die Finanzkrise verzögert den Bau des Megaprojekts zusätzlich.
Zoo von Dubai
Auch Giraffen findet man hier
Vom berühmten Burj al Arab Hotel nur wenige Autominuten entfernt liegt der Dubaier Zoo im Stadtteil Jumeirah an der Jumeirah Road. Zu sehen sind hier nicht nur Vogelarten wie Flamingos, Geier, Adler, Kormorane und Bussarde, sondern auch etwa 200 Säugetiere wie Gazellen, Wüstenluchse, Giraffen, Schimpansen, Gorillas, Wölfe, Hyänen, Wildkatzen, Tiger und Löwen.
Schon lange sind Zoos auch ein wichtiger Bestandteil der arabischen Kultur. Neben der Erholung und Unterhaltung sollen sie eigentlich der Bildung dienen und den Besuchern sowohl die “Welt der Tiere” als auch die Probleme des Arten- und Naturschutzes näher bringen. Mehrere Tierarten sind bereits ausgestorben oder gelten heute in freier Wildbahn im Bestand als gefährdet. Aus diesem Grunde sehen es die Zoos weltweit als ihre Aufgabe an, sich um den Erhalt dieser Tierarten zu bemühen.
Auch in Dubais Zoo stehen Nachzüchtungen von bedrohten Tierarten im Vordergrund. Doch der Zoo platzt schon aus allen Nähten. Seit den 70 er Jahren steigt die Anzahl der Tiere stetig. Auch im Jahr 2009 müssen sich rund 1200 Tiere eine Fläche von 17.500 qm (Bürogebäude mit eingerechnet) teilen. Jedem Tier stehen damit etwas weniger als 9 qm an Lebensraum zur Verfügung. Die Bedingungen unter denen diese Tiere leben müssen, sind untragbar. Das Dasein der Tiere im Zoo ist auf das bloße biologische Überleben reduziert und nur noch die elementarsten Bedürfnisse wie Nahrungsaufnahme werden befriedigt. Sie sind eingepfercht in kleinen antiquierten Käfigen und engen Gehegen. Sie haben kaum Bewegungsmöglichkeiten, leiden massiv an Langeweile und zeigen erhebliche Verhaltensstörungen. Der Zoo bietet ihnen so gut wie keine Beschäftigungs,- Versteck-und Rückzugsmöglichkeiten. Löwen laufen stereotyp von einer Ecke in die andere. Schimpansen sitzen ohne Spielmöglichkeiten in ihren kahlen Käfigen vor einer abgebröckelten Wand. Ein in Isolation gehaltener imposanter Berggorilla starrte ausdruckslos und hilflos durch die Gitterstäbe seines Gefängnisses. Viele Tiere sehen schlichtweg verwahrlost aus.
Auch sind viele der Käfige unzureichend gesäubert. Am schlimmsten ist für sie die Zeit in den Sommermonaten. Während sich die Menschen in ihre klimatisierten Räume zurückziehen können, sind die Tiere des Dubaier Zoos Temperaturen von 40°C und hoher Luftfeuchtigkeit ausgesetzt. Die Tiere werden mit Wasser abgekühlt und es gibt teilweise Ventilatoren, doch Rückzugsmöglichkeiten in ein kühles Innengehege wären effektiver. Das wenige Zoopersonal scheint zwar den Tieren wohlgesonnen zu sein, besitzt aber kaum fachliche Kompetenzen.
Der Zoo von Dubai ist der älteste Zoo auf der arabischen Halbinsel. Er entstand einstmals aus einer 1962 gegründeten privaten kleinen Tiersammlung des österreichischen Ingenieurs Hans Bulart. Dieser war Geschäftsführer einer Firma in Dubai. Im Jahr 1967 stellte ihm der damalige Herrscher Scheich Rashid Bin Saeed Al Maktoum eine Fläche von zwei Hektar an der Jumeirah Road zur Verfügung. Verwaltet wurde der Tiergarten dann von Hans Bularts Vater Herrn Otto J. Bulart. Während der ersten Jahre gab es im Zoo nur wenige Tiere, wie Großkatzen, Affen und Huftiere sowie ein kleines Aquarium mit einigen Fisch- und Reptilienarten. Im Jahr 1971 übernahm dann die Stadtverwaltung von Dubai den Zoo. Nach wenigen Jahren wuchs die Anzahl der Tiere immer mehr an,- und der Park stieß an die Grenzen seiner räumlichen Kapazitäten. In den 80er Jahren wurde zwar ein Teil des Zoos neu entworfen und umgebaut, doch diese Maßnahmen reichten bei weitem nicht aus. Eine große Anzahl der Dubaier Zootiere stammen aus Zollbeschlagnahmungen, oder wurden aus Tiershows, Zirkussen oder schlechten Haltungen von Privatpersonen konfisziert. Seit vielen Jahren beklagen Tierschützer die Situation und die Verantwortlichen Dubais versprechen immer wieder den Bau eines neuen Zoos bzw. den Umzug in ein neues Gebiet.
Der neue „Super-Zoo“ soll auf einer Fläche von 350 Hektar im gigantischen Themenpark Dubailand entstehen. Seit 2005 ist das rund 5 Milliarden Dollar teure befindliche Projekt im Bau. Bis 2018 soll dann der ganze Themenpark fertiggestellt sein. Müssen die Tiere des Dubaier Zoos noch so lange warten? Oder gar noch länger? Die Bauzeit von Dubailand hat sich durch die Finanzkrise verzögert. Im Herbst 2008 fielen, die durch Spekulationen in astronomische Höhen angewachsene Immobilienpreise nahezu ins Bodenlose. Dubai fehlte es plötzlich an Geld, das gigantische Parkprojekt wie geplant durch Immobilien Abverkäufe zu finanzieren. Die Vision vom Megaprojekt steht noch recht am Anfang. Laut Auskunft der Verantwortlichen sind die ersten Abschnitte der notwendigen Infrastrukturmaßnahmen inzwischen abgeschlossen und die Gebäude des Hauptquartiers sind seit neustem fertiggestellt und für die Öffentlichkeit zugänglich. Informationen dazu sind unter www.dubailand.ae zu finden.
Zum Jahresende 2010 sollen ebenfalls die ersten beiden Themenparks realisiert werden.
In den letzten Jahren gab es zwar Pläne den kompletten alten Dubaier Zoo vorerst in eine neue Anlage zu verlegen, bzw. die Tiere an eine neue Örtlichkeit dem Mushrif Park nähe Mirdif, unterzubringen. Doch scheiterte dieses Vorhaben regelmäßig an der angeblichen ständigen fehlenden Finanzierung. Seltsamerweise waren jedoch bisher immer genügend Gelder für die Realisierung der unzähligen anderen Superprojekte und Hotels der Extraklasse vorhanden.
Dr. Alsayed Ahmad, Programmdirektor des “International Fund for Animal Welfare (IFAW)”, schlägt der Dubaier Obrigkeit deshalb vor, die Tiere als Zwischenlösung in andere Zoos der VAE und der Golfregion zu verteilen. Dr. Alsayed Ahmad ist der Zustand der Tiere und der Ernst der Lage durchaus bewusst: „Wir bedauern die Verzögerung, da wir von der misslichen Lage der Tiere im Zoo wissen. Ihr Wohlergehen liegt uns am Herzen, da die Käfige völlig überfüllt sind und viele unterschiedliche Arten zusammengelegt werden mussten. Auch die Anwohner in der Zoonachbarschaft fühlen sich zunehmend gestört und sind nicht glücklich mit der derzeitigen Situation. Wir hoffen, dass wir rasch eine andere Lösung finden können.“ Im Grunde genommen steht die Organisation IFAW allgemein dem Zookonzept eher skeptisch gegenüber: „ Wir sehen nicht gerne Tiere in Käfighaltung. Ein neuer Zoo in Dubailand vermag die gegenwärtige Situation der Tiere etwas verbessern, aber nicht so sehr wie wir es uns eigentlich wünschen würden.“
Es gibt überall weltweit erbärmliche Zustände und Missstände von Tieren in Zoos, teilweise auch noch in der westlichen Welt. Dubai ist eine der modernsten und wohlhabendsten Metropolen dieser Welt wo man eigentlich solche erbärmlichen Zustände und solche traurige Anblicke von Tieren nicht erwarten würde. Bleibt zu hoffen, das sich die emiratische Obrigkeit dieses Problems schnellst möglich annimmt und Abhilfe schafft.




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