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12. Juli 2009

Plastik erstickt die Welt - Dubai bald ohne Plastiktüten

von Myriam Alexowitz

Auch die Emirate sind von der Plastikschwemme betroffen und wollen bis zum Jahr 2013 alle Plastiktüten aus dem Verkehr gezogen haben.

Plastiktüte: Bald in Dubai verboten

Plastiktüte: Bald in Dubai verboten

Weltweit werden jährlich mehr als 600 Milliarden Plastiktüten hergestellt- von der hauchdünnen Obsttüte bis zu extrastarken Müllsäcken reicht das Sortiment. Sie alle bestehen aus Erdöl, Chlorchemikalien und Weichmachern. Nicht einmal die Hälfte davon wird recycelt. Der Großteil landet auf der Müllkippe, oder wird achtlos in die Natur geworfen. Viele der Umweltsünder sind sich nicht über die Langlebigkeit dieses Materials im Klaren. Es gibt rund 70 verschiedene Plastiksorten, je nach Plastikkomponente dauert der Zersetzungsprozess zwischen 100 und 500 Jahren. Jogurtbecher oder Plastikflaschen sind besonders widerstandsfähig und langlebig. Auch in Dubai ist abseits der Touristenattraktionen die Landschaft stark verschmutzt durch Unmengen an Plastikmüll und sonstigem Abfall. Die emiratische Regierung will langsam Herr der Lage werden und verkündete zum Julianfang mit einem stufenweisen Abbau von Plastiktüten zu beginnen. In den nächsten drei Jahren will das Ministerium für Umwelt und Wasser, die Konsumenten dazu erziehen, Alternativen wie Tragetaschen aus Papier, Jute oder biologisch abbaubare Plastikbeutel zu benutzen. Allein die Plastiktragetaschen vom Supermarkt machen fast 11 Prozent des jährlichen Hausmülls aus. Recycling ist in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) noch wenig üblich. Auch sind die Emiratis eher bequem. Dinge werden oft weggeworfen oder liegen gelassen. Aber auch viele Touristen vergessen im Ausland ihre gute Kinderstube und hinterlassen in der Wüste oder am Strand ihre Abfälle. „Das wird eine lange Kampagne werden“ sagte die Umweltberaterin Mariam Al Shenasi. „ Die Aktion wird von diesem Jahr bis 2012 in drei bis vier Phasen verlaufen. Im Jahr 2013 wollen die Emirate dann vollkommen frei von Plastiktüten sein.

Hätten Kolumbus und James Cook mit ihrer Mannschaft ihre Lebensmittel schon in Plastiktüten aufbewahrt - würden sich diese wohl heute noch an den Stränden der Karibik- und der Südseeinseln finden. Müllentsorgung in die Natur ist kein neues Phänomen. Die Menschen kippen ihren Dreck schon seit Jahrtausenden in die Landschaft oder ins Meer. Solange die Menge sich jedoch in Grenzen hielt und aus biologisch abbaubaren Substanzen bestand, sorgten Bakterien, Meeresströmungen und das Sonnenlicht für einen schnellen Abbau im Naturkreislauf. Doch mit dem Eintritt ins Plastikzeitalter war es damit vorbei. Die Natur schafft es alleine nicht mehr. Vor allen in den Weltmeeren wachsen die Plastikmüllberge. Allein die weltweite Schifffahrt wirft täglich etwa 639.000 Plastikbehälter über Bord. Kapitäne müssen bislang für jede Müllentsorgung bezahlen, wenn sie von See kommen. Um Geld zu sparen, kippen sie dann lieber die Abfälle ins Meer.

Doch der Plastikmüll ist nicht nur ein optisches oder hygienisches Problem, sondern er bedroht ernsthaft Mensch und Tier. Eine Million Seevögel, 100.000 Seehunde und andere Meeressäuger sterben nach UNEP-Angaben jedes Jahr durch den Plastikmüll. Er wird zur tödlichen Falle. Delfine, Wale und Schildkröten verfangen sich in dem Müll und sterben durch Abschnürungen von Körperteilen. Oder sie verschlucken kleinere Plastikteile, weil sie diese für Nahrung halten. Die Plastikteile verbleiben im Magen-/Darmbereich und verhindern dort die Nahrungsaufnahme. Die Tiere verhungern mit plastikgefülltem Mägen. Nicht nur für Tiere, sondern auch für uns Menschen ist der Plastikmüll höchst gefährlich. Die meisten Kunststoffe aus den privaten Haushalten und der Industrie, sind biologisch nicht abbaubar. Sie zerfallen zwar in immer kleinere Teile bis hin zu Mikroteilen, werden aber meistens nicht von Bakterien zerlegt. Nicht nur große, sondern auch Milliarden von Kleinstteilchen enthalten zum Teil hohe Konzentrationen gefährlicher Gifte wie etwa DDT. Ihre Giftstoffe werden vom Plankton und Planktonfressenden Tierarten aufgenommen. Diese Schadstoffe lagern sich im Gewebe ab. Fische und Meeresfrüchte werden somit zu einer chemischen Zeitbombe auch für den Menschen. Der Plastikmüll landet letztendlich auf unserem Teller. In vielen Regionen sind mittlerweile mehr Plastik Partikel als Plankton feststellbar. UNEP, das Umweltprogramm der Vereinten Nationen, hat kürzlich gemeldet, dass durchschnittlich bis zu 18.000 Plastikteile auf jedem Quadratkilometer Ozean treiben. Besonders im Ozean zwischen Kalifornien und Hawaii wächst seit Jahrzehnten ein gigantischer Strudel aus zerriebenem Müll, der inzwischen so groß ist wie Mitteleuropa. Rund drei Millionen Tonnen Plastik treiben hier.

Das Team Green Ocean fand bei seinen Untersuchungen im Mittelmeer noch schwebenden Plastikmüll in einer Tiefe von 80 bis 100 m. Bei Untersuchungen mit Unterwasserkameras und Sonar wurden am Meeresgrund regelrechte Felder von Plastikmüll entdeckt.
Angesichts dieser alarmierenden Zustände formiert sich Widerstand gegen den Plastikmüll nicht nur in den Industriestaaten, sondern auch in Ländern, in denen es seit Jahrzehnten zum Lebensgefühl gehört, sich seine Einkäufe ungefragt einpacken zu lassen. Bangladesch hat Plastiktüten bereits im Jahr 2000 verboten. Australien will noch dieses Jahr die Plastiktüten aus dem Verkehr ziehen. Und Frankreich will die Plastiktüte bis zum Jahr 2010 abgeschafft haben.

Letztes Jahr startete die emiratische Zeitung Gulf News bereits mit der Kampagne „Say No to Plastic Bag“ (Sagt nein zu Plastiktaschen). Es war die erste Medienkampagne dieser Art die in diesem Land ins Leben gerufen wurde. Jede Woche gab es Geschichten, Informationen und Tipps, um die Aufmerksamkeit und das Umweltbewusstsein zu schärfen. Die Kampagne erhielt von den Lesern und auf dem privaten Sektor viel Anerkennung und Unterstützung.

Auch in Abu Dhabi gab es am 20. Juni eine Umweltaktion mit dem Slogan: “Abu Dhabi Cares” Beach and Underwater Clean-Up Event“. Das war ein hervorragendes Beispiel dafür, dass jede Person mithelfen und etwas verändern kann. Fast 500 kg von Flaschen, Kanistern, Plastikbeuteln und anderer Müll wurden am öffentlichen Strand und im Wasser hinter dem Emirates Palace von freiwilligen Gruppen eingesammelt. Die Teilnehmer meinten, die größten Müllgegenstände seien Deckstühle und Kissen und der unappetitlichste Wegwerfwindeln gewesen wären. Eigentlich hätten sie noch mehr Müll einsammeln können, doch ihnen gingen die Müllsammelbehälter aus. Jeder der Helfer war erstaunt über die starke Verschmutzung des schönen Strands an dem man sich doch erfreuen sollte, anstatt soviel Unrat zu hinterlassen. Liegt das vielleicht daran, dass die Leute sich für ihre Hinterlassenschaften nicht verantwortlich fühlen und denken, die Stadtverwaltung kümmert sich schon darum? Ist es zu viel verlangt die Abfälle zu den umstehenden Mülleimern zu bringen?

Die Stadtverwaltung sorgt zwar für die Reinigung und schickt Arbeiter Vorort. Sie versuchen ihr Bestes, aber es ist schwer regelmäßig den Müllmengen nachzukommen. Die Abfallentsorgung ist in den Städten Dubai und Abu Dhabi ist zurzeit noch ein Problem. Große fahrbare Müllbehälter sammeln den ungetrennten Müll ein. Danach wandert der Abfall auf eine der großen Deponien in der Wüste. Bei Abu Dhabi gibt es insgesamt sechs Deponien. Wie die arabische Zeitung „The National“ berichtet, ist die größte Mülldeponie Al Dharfa so groß wie die City von London. Vor den Toren landen nicht nur verrottbarer Hausmüll und Bauschutt, sondern auch giftige Ölrückstände, landwirtschaftliche Pestizide, Krankenhausmüll und sogar alte Waffen. Die VAE zählen weltweit zu den Regionen mit dem größten Müllaufkommen pro Kopf: In der Zwei-Millionen-Einwohner-Stadt Dubai sind es 750 Kilogramm Hausmüll im Jahr.

Doch es gibt auch erfreulicheres zu berichten. Der Dubai Recycling Park in der Industrial City ist im März 2009 fertig gestellt worden. Heute werden dort auf dem 15 Hektar großen Standort Festmüll, Papier und Plastik recycelt. Auch im Bundesstaat Sharjah, der zu den ärmeren Gebieten der VAE zählt gibt es eine neue Anlage. Sie soll 60 Prozent des Festmülls verwerten, das sind etwa eine Million Tonnen Abfall im Jahr. Recycelt werden Aluminium, Plastik, Papier, Glas, Keramik, Stahl und organische Abfälle.

Die getroffenen Maßnahmen hören sich zwar gut an. Doch sollte die Regierung nicht alleine mit dem Umweltproblem gelassen werden. Es geht uns schließlich alle an. Jeder kann einen positiven Beitrag zu einer sauberen Umwelt leisten indem er auch gleich auf recycelbare Produkte aus Holz, Leder oder Glas zurückgreift.

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